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Energiegenossenschaft ist Teil der Energiezelle am Bauhof

Eva Fugger, Generaldirektor-Stellvertreterin der Raiffeisenlandesbank Burgenland, mit Eisenstadts Bürgermeister Thomas Steiner (re) und Georg Greutter von „waste2energy“. Foto: Eisenstadt

Im Zentrum der Energiezelle steht der Bauhof mit Biogasanlage, Photovoltaik, Stromspeicher und E-Stadtbussen. Die Energiezelle ist Teil der regionalen Raiffeisen-Energiegenossenschaft.

Mit dem Baustart der neuen Biogasanlage am Bauhof setzt Eisenstadt einen weiteren zentralen Meilenstein des Klimafahrplans 2040 um. Gemeinsam mit Photovoltaikanlagen und Stromspeicher entsteht eine Energiezelle, die künftig biogene Reststoffe aus der Stadt in Strom und Wärme umwandelt und damit unter anderem den Bauhof sowie die E-Stadtbusse versorgt.

Regionale Energieerzeugung
Das Projekt verbindet regionale Energieerzeugung, Kreislaufwirtschaft und Versorgungssicherheit und ist ein weiterer konkreter Schritt in Eisenstadts Rolle als Pionierstadt. „Mit unserem Klimafahrplan haben wir den Weg zur Klimaneutralität vorgezeichnet, jetzt geht es darum, diesen konsequent umzusetzen. Die neue Biogasanlage zeigt sehr konkret, was wir darunter verstehen: Wir machen aus Reststoffen unserer Stadt wertvolle Energie, nutzen diese direkt für unsere kommunale Infrastruktur und schaffen damit einen Kreislauf, der ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist“, betont Bürgermeister Thomas Steiner.

Der Klimafahrplan Eisenstadt 2040 umfasst rund 40 konkrete Maßnahmen in den Bereichen Energie, Mobilität, Gebäude, Stadtentwicklung und Abfallwirtschaft. Für diesen Weg wurde Eisenstadt als erste und einzige Gemeinde des Burgenlandes als Pionierstadt ausgezeichnet.
Mit der Biogasanlage gehen nun mehrere dieser Handlungsfelder gemeinsam in die Umsetzung. Der Bauhof entwickelt sich zur Energiezelle der Stadt: Mehr als 100 kWp Photovoltaikleistung, ein Stromspeicher mit mehr als 200 kWh und die Biogasanlage werden zu einem lokalen Energiesystem verbunden. Die gesamte Anlage soll jährlich rund 400.000 kWh Strom und 180.000 kWh Wärme produzieren. „Als Pionierstadt wollen wir zeigen, wie Klimaschutz auf kommunaler Ebene konkret funktionieren kann. Wir haben unsere Stadtbusse auf Elektroantrieb umgestellt, bauen unsere eigene erneuerbare Energieproduktion aus und verbinden jetzt am Bauhof Energieerzeugung, Speicherung und Verbrauch zu einem Gesamtsystem“, erklärt Steiner. Der Strom wird großteils direkt am Bauhof genutzt, insbesondere zum Laden der E-Stadtbusse. Überschüssige Energie kann über die regionale Energiegenossenschaft genutzt werden. Die Wärme kommt unter anderem bei der Trocknung von Strauch- und Baumschnitt zum Einsatz.

Energiezelle: Erzeugen, speichern und selbst nutzen
Das Prinzip der Energiezelle zeigt auch die begleitende Grafik: Im Zentrum steht der Bauhof, verbunden mit Biogasanlage, Photovoltaik, Stromspeicher und E-Stadtbussen. Energie wird vor Ort erzeugt, gespeichert und möglichst direkt wieder genutzt. Gleichzeitig ist die Energiezelle Teil der regionalen Raiffeisen-Energiegenossenschaft, wodurch überschüssiger Strom regional genutzt werden kann.

„Unser Ziel ist ein intelligentes Gesamtsystem: Energie möglichst vor Ort erzeugen, speichern und dort einsetzen, wo wir sie brauchen. Damit erhöhen wir unsere Eigenversorgung und verbinden Klimaschutz mit regionaler Unabhängigkeit“, so Steiner. Biogas ergänzt dabei die Photovoltaik um eine Energiequelle, die unabhängig von Sonne, Wetter und Tageszeit zur Verfügung steht.

„Die Entwicklung der flächendeckenden regionalen Energiegenossenschaften und der Zuspruch der burgenländischen Bevölkerung haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Die Energiegenossenschaften schaffen wirtschaftliche Vorteile für alle Mitglieder – Bürger:innen, Unternehmen und Kommunen. Erfreulicherweise ist bereits jede 3. Burgenländische Gemeinde Mitglied in einer Energiegenossenschaft“, so Eva Fugger, GD-Stv. Raiffeisenlandesbank Burgenland.

Die Energiegenossenschaften sind auch die Basis für regionale Infrastrukturprojekte. Die Stadt Eisenstadt geht beim Energy- bzw. Community Hub voran, zahlreiche burgenländische Gemeinden haben nun auch ihr Interesse bekundet. Die Biogasanlage ist für Fugger eine weitere Ausbaustufe dieser dezentralen Infrastruktur: „Wir laden alle ein, die Energiewende mitzugestalten und von der Kraft der Gemeinschaft zu profitieren. Ganz im Sinne unseres Slogans ‚Energie von uns, für uns`.“

Greutter: Aus Bioabfall wird Bioenergie
Das technische Herzstück bildet die neue 3a-Biogasanlage. Strauch- und Baumschnitt wird getrocknet und für die Fernwärme der Burgenland Energie genutzt. Aus Grasschnitt und aufbereiteten Abfällen aus den Biotonnen wird Methan im Container direkt produziert, und anschließend in Strom und Wärme umgewandelt. „Wir verarbeiten den biogenen Abfall der Stadt Eisenstadt höchstgradig effizient zu Energie. Aus Grasschnitt und den Abfällen der Biotonne wird im 3a-Biogasverfahren mit geringstmöglichem Platzbedarf und nahezu ohne Geruchsemissionen Methan produziert, das in Strom für die Stadtbusse und Wärme für den Bauhof umgewandelt wird“, erklärt Greutter von waste2energy. Die Anlage ist für einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt.

„Die 3a-Biogasanlage verbindet knapp 40 Jahre Erfahrung der Firma Müller-Umwelttechnik in der Abfallverarbeitung zu Energie mit dem Know-how von waste2energy Wien. Sie ermöglicht es, biogenen Abfall effizient auf kleinstem Raum sowie saison- und wetterunabhängig 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr zu verarbeiten“, so Greutter. Auch die verbleibenden Reststoffe werden weiterverwertet und gemeinsam mit dem UDB zu sortenreinem Kompost verarbeitet. „Aus den Reststoffen der Einwohner wird Bioenergie, die unmittelbar wieder in Eisenstadt genutzt wird: Strom für die Stadtbusse, Wärme für den Bauhof, Strauch- und Baumschnitt für die Fernwärme und schließlich sortenreiner Kompost. Damit entsteht eine lupenreine Kreislaufwirtschaft“, so Greutter.